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Die Auswirkungen des Gemeinsamen Marktes – Historische Ereignisse im europäischen Integrationsprozess (1945-2014)

Was der Beitritt zum Gemeinsamen Markt bedeutete

Der Gemeinsame Markt zielte darauf ab, in Europa einen riesigen geografischen Raum mit einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik zu schaffen, der durch die Zusammenlegung der nationalen Märkte die Verschwendung von Ressourcen verhindern sollte. Seine Befürworter sahen darin ein Mittel zur Beseitigung von Hindernissen für den freien Wettbewerb und versprachen sich neue Absatzmärkte, die eine Steigerung der Produktion ermöglichen würden. Die Verwirklichung eines allgemeinen Gemeinsamen Marktes stellte jedoch die Volkswirtschaften traditionell protektionistischer Länder wie Frankreich vor große Herausforderungen. Die Schwierigkeit war insofern besonders groß, als die von den sechs Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vorgeschlagene Zollunion die Abschaffung von Kontingenten und Zollschranken sowie die Einführung eines gemeinsamen Zollsatzes vorsah.

Ungeachtet der finanziellen und währungspolitischen Probleme expandierte die französische Wirtschaft Mitte der 1950er Jahre rasch. Das extrem hohe Wachstumstempo machte eine Öffnung der Grenzen unumgänglich, da Frankreich – das Rohstoffe benötigte und einen ständig steigenden Energiebedarf hatte – gezwungen war, in großem Umfang zu importieren, um seine industrielle Expansion voranzutreiben. Um wettbewerbsfähig zu werden, musste sich Frankreich in die Lage versetzen, einen größeren Anteil am internationalen Handel zu gewinnen. Die ungleichen Produktionsbedingungen sowie die Präferenzregelung mit den überseeischen Ländern und Gebieten (ÜLG), die zur Union Française gehörten, hinderten Frankreich jedoch daran, in vollem Umfang an der Deregulierung des Welthandels teilzunehmen. Daher ist für Paris ein geografisch enger gefasstes System und ein schrittweiser Ansatz – wenn auch relativ – attraktiv. Die Integration in den Gemeinsamen Markt mit sechs Mitgliedern und wirksamen Mechanismen zur schrittweisen Deregulierung des Handels und zum Ausgleich von Ungleichgewichten bei gleichzeitiger Beibehaltung des Zollschutzes gegenüber Drittländern würde der französischen Wirtschaft einen reibungsloseren Weg bieten, indem sie sich gegenüber ihren Nachbarn öffnet und gleichzeitig modernisiert. Darüber hinaus waren rein wirtschaftliche Erwägungen nicht der einzige Grund für die französische Entscheidung, dem Gemeinsamen Markt beizutreten, denn die Regierung in Paris suchte auch politische Vorteile durch die wirtschaftliche Integration Europas.

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